CloudFest 2026 im Europa-Park, Rust – Erkenntnisse zu Cloud-Repatriierung und souveräner Infrastruktur
March 30, 2026

Cloud-Repatriierung in Europa: Die wichtigsten Erkenntnisse vom CloudFest 2026

Ferdinand Duschka

Ferdinand Duschka

Founder & Managing Director

Mika Egelhaaf

Mika Egelhaaf

Director Artificial Intelligence

Auf dem CloudFest treffen sich diejenigen, die das Internet tatsächlich betreiben: Hosting-Anbieter, Infrastructure Engineers und Plattformbetreiber. In diesem Jahr waren Ferdinand Duschka und Mika Egelhaaf von coPetence vor Ort – und kehrten mit dem deutlichen Eindruck zurück, dass sich gerade etwas Grundlegendes verschiebt.

Eine berechtigte Frage vorab: Was hatte eine KI-Beratung auf einer Konferenz zu suchen, die sich primär an Cloud-Anbieter richtet? Die Trennlinie zwischen „KI-Unternehmen“ und „Infrastruktur-Unternehmen“ verschwimmt zusehends. Die Entscheidungen, die in den Vorständen der Hosting-Branche derzeit getroffen werden – wo Workloads laufen, welchen Jurisdiktionen man vertraut, wie auf die Nachfrage nach souveräner Cloud reagiert wird – bestimmen unmittelbar, welche KI-Deployments für unsere Kunden überhaupt möglich sind. Für Mika, der wesentliche Teile unserer KI-Practice verantwortet, war die Veranstaltung genau aus diesem Grund besonders wertvoll. Darüber hinaus versammelt das CloudFest schlicht einen erheblichen Teil unserer Zielgruppe an einem Ort.

Warum europäische Unternehmen ihre Hyperscaler-Abhängigkeit hinterfragen

Die Stimmung vor Ort war nicht anti-Cloud. Sie war anti-Abhängigkeit. Europäische Unternehmen überprüfen ihr Verhältnis zu den US-Cloud-Riesen – nicht aus Nostalgie, sondern aus strategischer Notwendigkeit. Cloud-Repatriierung – also die Rückführung von Workloads in regionale oder private Infrastruktur – ist längst kein Randthema mehr. Sie ist auf Vorstandsebene angekommen.

Der Auslöser ist nicht technischer, sondern politischer Natur. Das aktuelle geopolitische Umfeld hat das Unbehagen in den Führungsetagen gegenüber Infrastruktur, die US-Recht unterliegt und unter Regelwerken wie dem CLOUD Act zugriffsbereit ist, deutlich verstärkt. Souveräne Cloud-Angebote europäischer Anbieter waren auf dem CloudFest allgegenwärtig – nicht als Nischenprodukte für Compliance-Beauftragte, sondern als ernsthafte Mainstream-Alternativen für Enterprise-Kunden.

Die Frage lautet heute nicht mehr: „Können die Hyperscaler das?“ – das können sie offensichtlich. Sondern: „Sollten wir ihnen das anvertrauen?“

Wie KI die Cloud-Repatriierung in Europa beschleunigt

KI beschleunigt zugleich die Cloud-Adoption und die Debatte um Repatriierung. Trainingsläufe, Vektordatenbanken, GPU-Inferenz – all das drängt Teams in die Managed Services der Hyperscaler. Gleichzeitig sind KI-Workloads genau jene, bei denen Unternehmen am größten Bauchschmerzen haben, sie auf ausländischer Infrastruktur zu betreiben. Wenn Ihr KI-System Kundendaten verarbeitet, interne Dokumente oder proprietäre Geschäftslogik berührt, ist die Frage der Jurisdiktion von zentraler Bedeutung.

Europäische Anbieter ziehen hier rasant nach. Souveräne KI-Infrastruktur innerhalb der EU-Jurisdiktion entwickelt sich zu einer eigenständigen Kategorie – nicht zu einem Marketingversprechen.

NIS2, DORA und der Compliance-Case für die souveräne Cloud

NIS2 ist da. DORA ist da. Der Compliance-Druck auf europäische Unternehmen – insbesondere im Finanzsektor und in kritischer Infrastruktur – beschleunigt Entscheidungen, die andernfalls Jahre gedauert hätten. Wenn regulatorische Rahmenwerke Datenresidenz vorschreiben, benötigt der Reflex „einfach AWS“ plötzlich deutlich mehr Begründung.

Bemerkenswert war: Security- und Infrastruktur-Teams ziehen hier zunehmend an einem Strang. Es ist nicht mehr der CISO, der mit DevOps streitet. Beide Seiten betrachten dasselbe Risiko – und kommen zu denselben Schlussfolgerungen.

EU Regulatory & Geopolitical Pressure on Cloud Infrastructure

Regulatory
Geopolitical
Regulatory
Geopolitical
Regulatory Geopolitical

Cloud-Souveränität jenseits von Compliance: ein strategischer Wandel

Das Motto 2026 – The Sustainability of Everything – erwies sich als überraschend präzise. Nachhaltigkeit meinte hier Energieverbrauch, Infrastrukturkosten, geopolitische Resilienz und offenen Zugang zu Wissen. Sprecher wie Brewster Kahle (Internet Archive) und die Digitalrechtlerin Brittany Kaiser erinnerten ein Auditorium voller Ingenieure daran, dass die Frage, wer die Internet-Infrastruktur kontrolliert, eben nicht nur technisch ist. Sie ist politisch, ökonomisch und gesellschaftlich.

Cloud-Repatriierung als Architekturentscheidung

Wir rufen nicht das Ende der Hyperscaler aus. Aber die Ära der unkritischen Hyperscaler-Adoption in Europa neigt sich dem Ende zu. An ihre Stelle tritt ein bewussterer, architekturgetriebener Ansatz: zu verstehen, wo Daten liegen, welcher Jurisdiktion sie unterliegen und welche politischen Implikationen mit dieser Wahl verbunden sind.

Das CloudFest 2026 hat bestätigt, was wir bei unseren Kunden bereits gespürt hatten: Souveränität ist kein Steckenpferd europäischer Bürokraten mehr. Sie ist Infrastrukturstrategie.

Ist Ihre Cloud-Architektur souveränitätsfähig?

Wir unterstützen europäische Unternehmen dabei, ihre Infrastrukturabhängigkeiten zu bewerten und einen tragfähigen Weg zur Datensouveränität zu gestalten. Sprechen Sie uns an.

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Was bedeutet Cloud-Repatriierung?

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Cloud-Repatriierung bezeichnet die Rückführung von Workloads aus öffentlicher Hyperscaler-Infrastruktur (AWS, Azure, GCP) in private, regionale oder On-Premises-Umgebungen. Unternehmen verfolgen diesen Schritt aus Gründen wie Kostenkontrolle, Datensouveränität, regulatorischen Anforderungen oder dem Abbau einseitiger Anbieterabhängigkeit.

Warum gewinnt Cloud-Repatriierung gerade in Europa an Bedeutung?

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Europäische Unternehmen agieren unter wachsendem regulatorischen Druck (NIS2, DORA, DSGVO), der Datenresidenz vorschreibt und die zulässigen Jurisdiktionen für sensible Workloads einschränkt. Das geopolitische Umfeld – insbesondere Bedenken gegenüber US-Gesetzgebung wie dem CLOUD Act – hat die Abhängigkeit von US-Hyperscalern zu einem strategischen Risiko gemacht, das viele Vorstände nicht länger akzeptieren.

Was ist eine souveräne Cloud?

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Eine souveräne Cloud bezeichnet Cloud-Infrastruktur, die vollständig innerhalb einer definierten rechtlichen und geografischen Jurisdiktion betrieben wird – typischerweise innerhalb eines EU-Mitgliedstaats – und keinen Zugriffsansprüchen ausländischer Regierungen unterliegt. Europäische Anbieter wie Hetzner, IONOS und OVHcloud bieten souveräne Alternativen zu den großen US-Hyperscalern.

Bedeutet Cloud-Repatriierung, dass Hyperscaler vollständig abgelöst werden?

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Nicht zwangsläufig. Die meisten Unternehmen bewegen sich auf ein hybrides Modell zu: Standard-Workloads bleiben bei den Hyperscalern, während sensible Daten, KI-Workloads und geschäftskritische Systeme in souveräne Infrastruktur zurückgeführt werden. Es geht um bewusste Architektur – nicht um eine vollständige Migration.

Wie wirkt sich NIS2 auf die Cloud-Strategie aus?

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NIS2 verpflichtet Betreiber wesentlicher Dienste und digitaler Infrastruktur dazu, robuste Maßnahmen zum Risikomanagement umzusetzen – einschließlich Lieferkettensicherheit. Für viele Organisationen bedeutet das, Drittanbieter-Cloud-Abhängigkeiten zu prüfen und sicherzustellen, dass die Datenresidenz den regulatorischen Anforderungen entspricht. Bestimmte Hyperscaler-Konfigurationen scheiden damit faktisch aus.
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